Meine kleine Welt | Spielstunde 2.0 | Kantálin - Legende eines zeitlosen Volkes

              

Ich habe bislang die ersten paar Absätze der ersten Geschichte geschrieben. Die Handlung dreht sich um eine Frau, die aus einem ihr bisher nicht bekannten Grund in die Zukunft katapultiert wurde. Dort muss sie sich mit der Raumfahrt, einer geänderten Weltordnung und Aliens, die auf der Erde Normalität geworden sind, zurecht finden.

1. Geschichte:

Anmeldung zur Teilnahme am Sternenseminar und zum Eignungstest f√ľr den Raumdienst

Melissa schaut auf die Tafel und tritt unschl√ľssig von einem Bein auf das andere. Sie ist im Universit√§tsgeb√§ude der Globalen Initiative zur Erkundung des Weltraums. Der Name ist veraltet, das hat sie mittlerweile schon gelernt; der Weltraum, zumindest das hiesige Sonnensystem, ist erkundet und karthografiert, mit allen Lebewesen wurde der erste Kontakt ausgetauscht, es herrschen diplomatische Beziehungen. Sie hat als Kind oft genug Star Trek gesehen, um zu wissen, dass dies nur hei√üt: Alle Kriege wurden beendet, da eine Allianz f√ľr vielversprechender angesehen wurde. Bei dem ersten Anzeichen eines Vorteils bei Feindseligkeiten w√ľrde diese aber wahrscheinlich in die Br√ľche gehen. Sie hat keine Ahnung, wie viele andere Spezies schon entdeckt wurden und ob die Menschen eine so gro√üe Rolle im Weltraum spielen, wie dies in den Nachrichten gerne gesagt wird. Nachrichten! Melissa sieht sich kurz um, entdeckt eine kleine Nische und zw√§ngt sich hinein, erst dann z√ľckt sie ihr Smartphone. Hier w√ľrde sie so schnell niemandem auffallen, der schmale Gang scheint nur ein heimlicher Fluchtweg f√ľr Offiziere zu sein. Sie loggt sich ins √∂ffentliche Netzwerk ein und gibt den Suchbegriff Erkundung jenseits der Milchstra√üe ein. Sie scrollt durch die verschiedenen Meldungen - noch wei√ü sie nicht, welche Nachrichtenseite wirklich seri√∂s ist. Schlie√ülich findet sie aber, wonach sie sucht:

Laut der Globalen Initiative zur Erkundung des Weltraums wird eine Mannschaft gesucht, die sich auf eine jahrelange Mission in den Weltraum begeben will. Der Eignungstest findet am 18. Juli 2267 statt im Hauptgeb√§ude der Universit√§t. Wer ihn besteht, ist automatisch in der Auswahl dabei, muss aber noch die Abschlusspr√ľfung bestehen. Das GIEW gibt zu bedenken, dass der lange Aufenthalt fern von daheim ohne die Familie und Freunde sehr nervenaufreibend sein kann. Daher sollten sich nur Menschen anmelden, die hier auf der Erde oder auf einer der Raumstationen f√ľr einige Jahre entbehrlich sind.

Melissa schnaubt. F√ľr einige Jahre entbehrlich. Das trifft auf sie ganz besonders zu. Zum Gl√ľck ist die Zeitangabe noch so, wie sie es gew√∂hnt ist - ansonsten h√§tte ihr die typische Frage nach Datum und Jahr, die alle unfreiwilligen Zeitreisenden laut Filmen und B√ľchern stellen, nicht weitergeholfen. Sie seufzt und steckt ihr Handy wieder ein. Immerhin ist sie in der Zukunft gelandet, mit einer durchaus annehmbaren Hygiene und muss sich nicht in der Vergangenheit an die Aborte gew√∂hnen. Pl√∂tzlich sp√ľrt sie einen hei√üen Schmerz in ihrer Stirn. Sie schl√§gt die H√§nde vor das Gesicht und setzt sich langsam auf den Boden. Dieser Kopfschmerz kommt dauernd, seitdem sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wurde. Sie wei√ü nicht, was genau passiert war.

Eigentlich versprach es, ein ganz normaler Tag zu werden. Melissa wachte p√ľnktlich f√ľnf Minuten vor dem Weckerklingeln auf - wie jeden Morgen. Schon in der Schulzeit kam sie morgens gut aus dem Bett und daran hatte sich w√§hrend ihres Studiums und nach ihrem Eintreten ins Berufsleben nichts ge√§ndert. Sie arbeitete in einem Marktforschungsinstitut, analysierte neuste Trends im Konsumverhalten. Ihr Traumjob war dies nicht, er brachte ihr aber Kontakte in die Forschung. Als studierte Soziologin wollte sie in die Forschung und nicht nur der Handlanger sein, der Daten analysierte oder sie zusammensuchte. Mittlerweile stand sie durch ihre Arbeit in einem regen Kontakt mit einem Professor und hatte gute Aussichten auf einen Forschungsauftrag. Melissa stand daher im Bad, putzte sich die Z√§hne und freute sich darauf, ihre Pl√§ne weiter zu realisieren - es stand ein Mittagessen mit dem Professor auf dem Tagesplan. Nach einem schnellen Blick in die Tageszeitung mit ihrem Tablett machte sie sich auf den Weg. Zu Fu√ü, da sie nur etwa eine Viertelstunde brauchte und gerne einen morgendlichen Spaziergang machte. Au√üerdem lag ein Starbucks auf ihrem Weg, bei dem sie sich einen Frapp√© holte. Als sie an einer Fu√üg√§ngerampel auf Gr√ľn wartete, klingelte ihr Handy. Sie zog es aus ihrer Handtasche und sah aufs Display: Amelie, ihre beste Freundin. Melissa l√§chelte und ging an das Telefon.
‚ÄěHallo meine Beste! Was gibt es?‚Äú, meldete sie sich und folgte dem Menschenstrom √ľber die Stra√üe zur Fu√üg√§ngerzone - die Ampel war gerade umgesprungen.
‚ÄěMelissa, ich w√ľrde es dir am liebsten pers√∂nlich sagen, aber ich muss es einfach loswerden: Wir werden heiraten!‚Äú
‚ÄěHerzlichen Gl√ľckwunsch! Hat er sich also endlich getraut und dir einen Antrag gemacht?‚Äú Melissa nahm einen Schluck Kaffee und h√∂rte sich die Geschichte des Antrags an. Sie freute sich f√ľr ihre beste Freundin - auch wenn sie einen kleinen Stich Eifersucht nicht vermeiden konnte. Ihr Freund hatte sich vor ein paar Monaten von ihr getrennt, mit der Begr√ľndung, dass er noch mehr von der Welt sehen wollte. Dieses Mehr an Sehen gr√ľndete in einem Bettengehopse. Melissa hatte dies immer bef√ľrchtet - er war ein Playboy gewesen, als sie ihn kennen lernte und sie hatte nie so ganz glauben k√∂nnen, dass er dies Leben nicht doch vermisste. Nach zweieinhalb Jahren war es dann soweit und er folgte wieder dem Drang seiner Genitalien statt auf sein Herz zu h√∂ren.
‚ÄěJedenfalls, was ich dich noch fragen wollte‚Ķ m√∂chtest du meine Trauzeugin sein?‚Äú, kam da Amelies Stimme aus dem Smartphone. Melissa verschluckte sich fast an ihrem Kaffee, r√§usperte sich hektisch und kr√§chzte dann: ‚ÄěSehr gern, das ist mir eine gro√ü Ehre!‚Äú
‚ÄěPerfekt‚Äú, sagte Amelie, ‚Äědann k√∂nnen wir uns ja die Tage mal zusammensetzen und den groben Rahmen besprechen. Vor allem den Kauf des Kleids, da musst du unbedingt mit, du hast doch immer so gutes Auge daf√ľr, was mir steht‚Ķ‚Äú W√§hrend Amelie von dem Kauf des Hochzeitskleids schw√§rmte, wurde Melissa pl√∂tzlich schwindlig. Ein Schmerz begann hei√ü hinter ihrer Stirn zu pochen. Sie lie√ü den Frapp√© fallen und rieb sich mit der Hand die Stirn. Mit ihren Augen schien etwas nicht zu stimmen, die Welt um sie her wurde immer greller, bis sie kaum noch verschiedene Farben oder Konturen ausmachen konnte. Amelies Stimme an ihrem Ohr wurde immer leiser. Melissa hatte Angst, dass sie gleich nichts mehr sehen und h√∂ren konnte.
‚ÄěHilfe, Amelie, ich brauche Hilfe! Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, kurz nach Starbucks und mein Kopf tut so weh‚Ķ‚Äú, stammelte Melissa ins Handy, bis auch ihre Ohren dumpf waren und sie keine Ger√§usche mehr wahrnahm. Alles um sie her war glei√üend hell und tonlos. Sie schloss die Augen, der Schmerz hinter ihrer Stirn schien ihren Kopf explodieren lassen zu wollen. Dann h√∂rte er pl√∂tzlich auf und statt einem glei√üenden Licht war es wieder dunkel um sie her durch ihre geschlossenen Lider. Vorsichtig √∂ffnete Melissa die Augen - und konnte sich gerade rechtzeitig vor einem Auto retten, indem sie sich zur Seite warf. Sie schlug hart auf dem Boden auf und setzte sich dann irritiert auf. Sie war doch mitten in der Fu√üg√§ngerzone? Langsam stand sie auf und sah sich um: Es war eine Hauptverkehrsstra√üe, an der sie stand. Das war aber nicht das, was ihr erneut pochende Kopfschmerzen einbrachte: Die Autos fuhren vollst√§ndig autonom. Es sa√ü niemand hinter dem Steuer. Mit einem Blick nach oben sah sie au√üerdem, das die Reifen einfahrbar und Fl√ľgel ausfahrbar waren: Selbst der Himmel war voller Verkehrsmittel. Wo war sie gelandet? Melissa warf einen Blick auf ihr Smartphone. Die Verbindung zu Amelie war unterbrochen, das Ger√§t selbst hatte keinen Empfang. In Ermangelung einer besseren Idee rannte Melissa einfach los, weg von der Stra√üe und den autonomen Autos. Sie merkte sich den Weg nicht, fand aber irgendwann in eine ruhigere Gegend. Eine Bankgruppe stand auf einem betonierten Platz, √§ltere Menschen sa√üen darauf, unterhielten sich oder lasen Zeitung. Allerdings ohne Papier, sondern √ľber ein Interface, wie Melissa noch keins gesehen hatte. Die Zeitung erschien einfach vor ihnen in der Luft und mit einer Handbewegung konnten sie bl√§ttern. Sie n√§herte sich vorsichtig, da sie hoffte, einen Blick auf das Datum erhaschen zu k√∂nnen.

23. März 2267

Melissa stolperte ein paar Schritte r√ľckw√§rts, ehe sie sich umdrehte und erneut zu laufen begann. Erst, als sie am Ende ihrer Kr√§fte war, suchte sie sich eine Bank und stellte sich der grausamen Wahrheit: Aus irgendeinem Grund hatte sie eine Zeitreise in die Zukunft unternommen. √úber 200 Jahre in die Zukunft. Und sie hatte keine Ahnung, wie sie den Weg zur√ľck finden sollte. Oder jemanden, der ihr glaubt.

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